Zu diesem Artikel habe ich Anfang Oktober 2016 ein Update veröffentlicht – hier klicken.

 

Auf seinem sehr lesenswerten Blog berichtet Lars Bobach schon seit geraumer Zeit über seinen Weg zum Papier-reduzierten Büro. Eine seiner besonderen Leidenschaften sind dabei Apps für handschriftliche Notizen auf dem iPad. Lars‘ Blog hat auch mich inspiriert, und so versteht es sich fast von alleine, dass auch ich im Lauf der Zeit schon einige Handschriften-Apps ausprobiert habe.

 

Die „Prä-iPad-Pro-und-Apple-Pencil-Ära“

 

Es gab ja mal eine Zeit vor iPad Pro und Apple Pencil. In diesem digitalen Frühmittelalter bin ich mit meinen Bestrebungen, handschriftliche Notizen papierlos zu verfassen, immer wieder gescheitert und habe mehrfach entnervt aufgegeben.

Eine der größten Hürden für mich war stets, dass beim Schreiben mit allen möglichen Stylussen (sorry) immer irgendwo auf dem „digitalen Papier“ unerwünschte Punkte und Linien entstanden, oder dass geschriebene Textteile plötzlich wieder verschwunden waren, weil die Handballenerkennung (neudeutsch „Palm Rejection“) einfach nie vernünftig funktionierte. (Bluetooth-Styli (ha!), also energiebedürftige, aktive Eingabestifte, die dieses Problem nicht haben, mag ich nicht, weil denen immer dann der Saft ausgeht, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Und genau dann hat man natürlich gerade weder die passenden Batterien noch eine Steckdose oder einen USB-Anschluss zum Laden griffbereit.)

Dazu kommt die Gewöhnungszeit, die das Schreiben „auf Glas“ nun mal einfach erfordert. Das nimmt man halt nur auf sich, wenn ansonsten alles passen würde. So kam es, das ich früher nie das Gefühl hatte, dass Handschreiben auf dem iPad irgendwie von Vorteil sei.

 

Auftritt iPad Pro & Apple Pencil!

 

Mit der Kombination aus iPad Pro (9,7″ in meinem Fall) und Apple Pencil macht plötzlich das digitale Schreiben und Skizzieren mächtig Spaß! (Ja, klar, auch der Apple Pencil ist ein Blauzahn und macht mal schlapp, aber einfach für 15 Sekunden in den Lightning Port gesteckt und schon reicht es wieder für 30 Minuten Schreiberei! Der Pencil im iPad steckend mag zwar blöd aussehen, aber man braucht nichts extra, keine Ladestation, kein Kabel, nichts. Großer Vorteil!)

15 Sek laden = 30 Min schreiben

Da somit nun die hardwaretechnische Seite des Problems gelöst war, ging es also auf die Suche nach der für meine Zwecke am besten geeigneten App!

 

Die Suche nach der „richtigen“ App

 

Außer Lars‘ Blog war dabei natürlich wie immer auch Google und auch Apples App Store mein Freund. 😉 Schnell stellt man fest, dass es an Handschriften-Apps wahrlich nicht mangelt. Es gibt Auswahl zuhauf.

Tatsächlich findet man auch schnell heraus, dass man unterscheiden muss zwischen Apps, deren Schwerpunkt bei handschriftlichen Textnotizen liegt, solchen für Skribbles und Skizzen, für Annotationen auf PDF-Dokumenten, bis hin zu Apps, die sich eher an künstlerisch Ambitionierte wenden. Die Übergänge sind fließend. Mit allen kann man aufs iPad kritzeln. Manche können (fast) alles – und dabei das meiste auch noch gut.

In diesem Beitrag soll es um Apps gehen, die das Erfassen von handschriftlichem Text ermöglichen – mit allem, was man dazu so braucht. Meine wichtigsten Anforderungen sind dafür klar definiert. Das soll die App können:

  • Gutes Design, intuitive Handhabung
  • Zoomfenster für bequeme handschriftliche Texteingabe
  • Sauberes Schriftbild
  • Geometrie-Funktion (saubere Kreise, Ovale, Rechtecke etc.)
  • Möglichkeit, auch getippten Text zu erfassen
  • Import von Bildern und PDFs
  • PDFs annotieren
  • Exportfunktion (PDF, JPG u.a.)
  • Integration mit allen wichtigen Cloud Diensten (Evernote, Dropbox, Google Drive, iCloud Drive)
  • Apps für iPad, iPhone und Mac, einschließlich zuverlässiger und schneller Synchronisation

Meine Auswahl der Kontrahenten

Je länger ich recherchierte, je mehr Blogs ich las, je mehr YouTube Reviews ich mir ansah und je mehr Apps ich selbst testete, immer wieder waren zwei Apps ganz vorn dabei: Notability und vor allem GoodNotes. Und freilich noch ein paar weitere, die ich hier für erwähnenswert halte. Klar, meine kleine Liste hier erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sonst wäre sie endlos lang. Doch die hier versammelten Apps sind meine persönlichen Favoriten zum Stand August 2016.

Am Ende der Recherchen stehen also schließlich diese sechs Handschrift-Notizen Apps auf meiner Vergleichsliste:

Nachfolgend besagte Vergleichsliste mit den für mich wichtigsten Kriterien und Anmerkungen – ja, klar, handschriftlich am iPad erstellt (Stand August 2016):

Vergleich: 6 Apps für handschriftliche Notizen

 

Ein ungleicher Kampf mit zwei Siegern

 

Es ist sofort offensichtlich: Die Leistungsmonster sind GoodNotes und Notability!

GoodNotes hat sich auch für mich als Referenz erwiesen. Obgleich ich kein Fan von Skeuomorphismus bin, mag ich die „Notizbuch-Analogie“ und das Gefühl des „Blätterns“ im Notizbuch. Gerade zu einer Handschriften-App passt das sehr gut. Ein weiteres großes Plus ist die Möglichkeit, eigene Vorlagen anzulegen, auch im A4-Format. Und nicht zu vergessen die tolle Geometrie-Funktion, die aus schnell hingeworfenen Kritzeleien saubere Kreise oder Rechtecke macht.

Notability fühlt sich dagegen durchgängig „frischer“ und intuitiver an, ein bißchen mehr wie eine moderne iOS 9 App. Das große Plus von Notability aus meiner Sicht ist, dass eine neue Notiz blitzschnell, quasi mit einem einzigen Fingertipp, angelegt ist und man sofort losschreiben kann.

Es muss ja nicht „entweder/oder“ sein! 😉

Es fällt mir schwer, mich zwischen diesen beiden Anwendungen zu entscheiden, deshalb nutze ich sie zurzeit im Wechsel, mal die eine, mal die andere. Beide sind für iPad, iPhone und Mac zu haben (wobei die Mac-Variante von GoodNotes noch sehr rudimentär ist; was aber nicht so schlimm ist, denn die Mac App nutzt man naturgemäß nur im Notfall für die Eingabe von Handschrift.) Die Synchronisation erfolgt via iCloud; Notability synct raketenschnell und zuverlässig, bei GoodNotes dagegen erlebe ich immer wieder „Hänger“ (die Verantwortung dafür könnte aber durchaus an Apples iCloud liegen, die ja nicht gerade im Ruf hoher Zuverlässigkeit steht).

Würde ich eine Handschriften-App ausschließlich auf dem iPad verwenden und bräuchte also keine Synchronisation, und müsste ich mich für eine einzige entscheiden, dann brauche ich nicht lange zu überlegen: in dem Fall wäre es GoodNotes.

 

Zu den übrigen Kandidaten:

 

Noteshelf fällt für mich aus einem Grund aus dem Rennen: Es ist einfach nur hässlich. Sorry Leute, aber eine App muss ein Mindestmaß an optischem Anspruch mitbringen, damit ich es auf mein iPad drauf lasse. Was Leistung betrifft, wäre Noteshelf vorn dabei; aber das nützt halt alles nichts, wenn ich die App schon gar nicht erst starten mag.

Penultimate liegt am anderen Ende der Skala: optisch attraktiv, klares Design, minimalistisch, intuitiv. Nur leider etwas arm an Funktionalität. Wer aber eine „clean“, reduzierte App sucht, mit hervorragender Evernote-Integration, dem würde ich Penultimate absolut empfehlen.

Bamboo Paper und Paper 53 gewinnen ganz klar den Schönheitspreis! Beide sind ganz wunderbare Apps für Skribbles und Zeichnungen. Dafür sind sie weniger auf Produktivität getrimmt, und für handschriftliche Notizen bieten sie kaum mehr als Standardkost, weshalb sie am Ende außer Konkurrenz sind.

 

Was sonst noch?

 

Da gibt es auch noch die berühmten Schwergewichte im Ring der Notizen-Apps, allen voran Evernote, Microsofts OneNote (zwei sehr interessante Vergleiche der beiden findet ihr hier und hier) und ja, Apples eigene, nützliche Notizen App, die auf allen iOS Geräten vorinstalliert ist. Alle drei sehr gute Apps (dass ich Evernote-Fan bin, wisst ihr ja eh), und alle haben mittlerweile auch Handschrift- und Skizzen-Funktionalität. Diese „großen“ Apps sind jedoch deutlich mehr in Richtung Organisation und Sammeln von Notizen ausgelegt, die Handschrift-Funktionalität ist nur ein Zusatzangebot – für Gelegenheitsnutzer zwar völlig ausreichend, im Vergleich mit den hier besprochenen Apps aber eher rudimentär.

 

Wie in den „guten alten Zeiten“

 

Was soll ich sagen. Endlich macht digitale Handschrift wirklich Spaß! Endlich ist es genau so einfach, wie in den guten alten Zeiten von Papier und Bleistift. Nur jetzt eben mit elektronischer Unterstützung. Die Hartware ist da; und hervorragende Software ebenso.

Ah, ich höre die Spötter: „Wozu das Ganze?“ – „Wozu der Aufwand?“ – „Papier und Stift gibt es überall, man braucht keine elektronischen Geräte, keine Spezialstifte, keinen Strom, kein Trallala.“

Da könnte man entgegnen: Man braucht eben kein Papier. Das (!) ist der große Vorteil! Der Rest ist Gewöhnung.

Ob ich nun einen herkömmlichen Kuli oder einen dieser neumodischen „kapazitiven Stylusse“ in meiner Aktentasche verstaue, oder gar den exorbitant teuren (und exorbitant guten) Apple Pencil, das ist dann doch egal. Zumal es auch gute Styli, pardon, Stifte gibt, die beides können. Ein Smartphone trägt heute ohnehin jeder mit sich herum, und im produktiven Bereich trifft man immer häufiger auch das iPad an (ebenso auch andere Tablets natürlich – das hoch gelobte Microsoft Surface sei hier erwähnt).

Also ist alles problemlos verfügbar, was es an technischen Voraussetzungen braucht – und meist (mindestens!) genau so griffbereit wie früher Papier und Bleistift. Und wenn man keinen Stylus dabei hat, geht’s zur Not auch mit dem Finger.

Weitere Vorteile der digitalen Notizen: Die Daten sind gleich gespeichert, meist auch in der Cloud, also von überall aus im Zugriff. Kollaboration mit mehreren Personen ist realisierbar; man kann Anmerkungen verfassen, korrigieren, reagieren. Die Notizen können exportiert, getauscht und in jeder denkbaren Form anderweitig weiterverbröselt werden.

 

Exkurs: Handschriftliche Notizen auf dem iPhone?

 

Wie oben erwähnt, sind meine Lieblings-Apps auch für’s iPhone zu haben. Deshalb zum Schluss noch einen kurzen Exkurs speziell dazu.

Am iPhone schreibt es sich naturgemäß eingeschränkter als am iPad, aber nach einer kurzen Einarbeitungsphase geht es ebenfalls problemlos. Das Texteingabe-Zoomfeld macht’s möglich. Natürlich hat da das größere iPhone „Plus“ naturgemäß seine Vorzüge. Für’s iPhone tut es sogar ein „normaler“ Stylus ohne Akku und Bluetooth, weil das Thema „Handballenauflage“ auf den kleineren Bildschirmen kaum ein Thema ist (und weil der Apple Pencil derzeit ohnehin nur auf den beiden iPad Pro Modellen funktioniert).

Meine beiden passiven Lieblings-Stylusse für’s iPhone sind übrigens der Adonit Jot Pro und der Bamboo CS-170 (beide funktionieren natürlich ebenso auch mit dem iPad).

Also dann, worauf warten? Einfach mal ausprobieren! Und dann entscheiden.

 


 

UPDATE Oktober 2016

GoodNotes versus Notability – Update und persönliches Fazit nach vier Wochen

 

Beides sind tolle Apps für handschriftliche Notizen. Beide haben alle wichtigen Funktionen wie Zoomfenster, Cloud-Anbindung und ein gutes Schriftbild. Beide Apps gibt es für iPad, iPhone und Mac. Ein echtes Kopf-an-Kopf Rennen. Nach meiner ersten Vergleichsphase war GoodNotes zunächst mein Favorit – s.o. Nach ein paar Wochen Gebrauch hat sich meine Einschätzung nun aber geändert. Mein Eindruck im direkten täglichen Einsatz:

GoodNotes

Der wesentliche Vorteil von GoodNotes war für mich zunächst die „Notizbuch-Analogie“. Einfach mal so Blatt für Blatt eines „Notizbuches“ durchblättern, das liegt mir. Leider macht aber die miserable Synchronisation den Spaß an der App zunichte. Da ich die App mindestens auf iPad und iPhone nutze, ist zuverlässige Synchronisation unverzichtbar. Das zweite große Manko ist, dass das Erfassen einer neuen Notiz oft mehrere Schritte erfordert. Dritter wesentlicher Nachteil ist die für meinen Geschmack doch sehr unübersichtliche und intransparente Menüführung.

Fazit GoodNotes: „Durchblättern“ à la Papier-Notizbuch gefällt mir; neue Notizen erfassen und Navigieren weniger; iCloud Sync ist aber grottenschlecht – damit ist die App für mich (derzeit) nicht nutzbar.

Notability

Der wesentliche Vorteil von Notability … sind mehrere: iCloud Sync ist perfekt und rasend schnell – sogar bei gleichzeitig geöffneter Notiz auf zwei Geräten! Die App wirkt durchgängig frischer (UI, Navigation) und nutzt aktuelle Techniken wie Swipe-to-delete oder ForceTouch für eine schnelle Vorschau. Im täglichen Gebrauch stelle ich fest, dass ich wesentlich lieber Notability starte, auch weil ich schneller mit einer Notiz loslegen kann. Die nicht vorhandene Notizbuch-Analogie mag aus meiner Sicht ein Nachteil sein, kann man aber auch als Vorteil sehen. Notizen können „fortlaufend“ angelegt werden, dann scrollt man eben nach unten statt seitlich zu blättern – wahrscheinlich Gewöhnung. Das fehlende „Durchblätter-Erlebnis“ wird mehr als kompensiert durch 3D-Touch Preview.

Fazit Notability: Erfassen einer Notiz schnell und einfach; Bedienung und Navigation sehr intuitiv; unterstützt 3D-Touch. iCloud  Sync perfekt und rasend schnell.

Gesamt-Fazit:

  • Notability Platz 1
  • GoodNotes Platz 2

 

 

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