Gratis-Apps sind angesagt. Mindestens seit Anbeginn der Smartphone-Zeitrechnung. Kostenlose Apps, Dienste und soziale Medien werden geliebt und gefeiert. Wenn aber eine Anwendung Geld kostet – und seien es nur ein paar Cent – wird geschimpft.

Ich dagegen bin überglücklich, wenn mir ein Entwickler für eine App Geld abnimmt. Ich freue mich, wenn ich eine App nicht geschenkt bekomme, sondern kaufen muss. Ich freue mich sogar, wenn ich für eine App regelmäßig bezahlen darf!

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: „Nun ist er völlig durchgeknallt, der Arme!“

Nein, bin ich nicht. Ich erklär’s euch.

 

Gratis-Apps sind echt toll! Echt?

 

Gratis-Apps

Erstaunlicherweise ist die Haltung „gratis = sexy“ besonders bei Apps und Diensten weit verbreitet. Auf den ersten Blick sind Gratis-Apps ja auch was Tolles. Spaß und Nutzen — und nichts dafür bezahlen! Wie cool ist das denn!?

 

Unangenehme Konsequenzen

 

Diese Haltung führt aber zu ein paar unangenehmen Konsequenzen, die wir uns bewusst machen sollten.

Wenn eine App nämlich tatsächlich kostenlos ist — sich also auch nicht durch Quersubventionierung, In-App Käufe (Spiele) oder weitergehende Dienstleistungen (Reisebuchungen) finanziert — dann wird ein Entwickler andere Wege suchen müssen, um Geld zu verdienen. Im Wesentlichen gibt es zwei Wege: Werbung (nervt) oder die Verwertung meiner persönlichen Daten (nervt weniger offensichtlich, könnte man aber gerade deshalb als besonders perfide ansehen). Klar, es gibt einen dritten Weg: Früher oder später ist der Entwickler pleite und die App haucht ihr Leben wieder aus (schade, aber unvermeidlich).

 

Werbung

 

Plakatwand

Wenn Werbung in einer App eingeblendet wird, ist alles klar und offensichtlich. Wir wissen, was los ist und wie die App ihr Geld verdient. Im Allgemeinen nervt mich Werbung; aber bei Apps, die ich eher selten verwende und dann nur für einen speziellen Zweck, kann ich es akzeptieren. Speedtest-Apps wie Ookla wären hier ein Beispiel.

 

Sammeln und verwerten persönlicher Daten

 

Schatztruhe

Persönliche Daten sind ein wertvoller Schatz; besonders dann, wenn sie angereichert, aufbereitet, in Beziehungen gesetzt werden. In vielen anderen Fällen vermeintlich „kostenloser“ Apps geschieht genau das: unsere persönlichen Daten werden gesammelt, aufbereitet und schließlich finanziell verwertet. Dabei krieg ich immer ein bisschen latente Gänsehaut.

Die Apps und Dienste sehen also zwar kostenlos aus, sind es aber in Wirklichkeit gar nicht. Wir bezahlen nämlich mit unseren persönlichen Daten und Informationen. Natürlich ohne dass wir vom Erlös aus dem Marktwert unserer Daten auch nur einen kleinsten Beitrag sehen. (*)

Als Beispiele für diese Art von Apps und Diensten fallen jedem sofort Facebook, Google & Co als die üblichen Verdächtigen ein.

Das ist nun keine bahnbrechende Neuigkeit, und die meisten nutzen diese Dienste schon lange in diesem Bewusstsein.

… Stop … „Bewusstsein“ …? Das hieße ja, dass man sich bewusst damit auseinandersetzt, die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen hat und für sich zu einem bewussten Ergebnis gekommen ist. Ich glaube, dass es selten so ist. Meistens nimmt man es einfach so hin. Sei es aus Gewohnheit, aus schlichtem Desinteresse, aus sozialem Druck oder mangels Alternativen — alles leider nicht gerade die besten Ratgeber.

 

Nutzen gegen Daten – ausgeglichene Balance?

 

Ausgeglichen?

Letzen Endes muss in so einem Fall jeder für sich entscheiden, ob ihm eine App oder ein Service so viel Nutzen oder Freude bietet, dass man bereit ist, seine wertvollen Daten dafür herauszugeben.

Ich habe mich ja vor Kurzem erst dafür entschieden, Facebook den Rücken zu kehren. Ein wesentlicher Grund für meine Entscheidung ist, dass ich den Nutzen von Facebook für mich persönlich nicht hoch genug einschätze, als dass ich Mark Zuckerberg dafür mit allen Verwertungsrechten an meinen persönlichen Daten belohnen möchte.

Nun könnte man einwenden, dass ich dann auch den meisten anderen sozialen Diensten, allen voran Google, den Rücken kehren müsste. Ja, mag sein, auf den ersten Blick wäre das konsequent. Aber bei Google liegen die Dinge — wieder aus meiner persönlichen Sicht — ganz anders: Google bietet mir nämlich einen echten Nutzen, in erster Linie bei der Suche im Netz und bei Maps. Bei Google ist für mich persönlich also das Nutzen/Kosten-Verhältnis akzeptabel.

(Andere Google Dienste, wie Google Mail und Google Drive, nutze ich bewusst kaum oder gar nicht, und zwar in erster Linie deshalb, weil ich eben nicht alle meine Daten in Googles Hände geben möchte.)

Auch „kostenlose“ Dienste wie Twitter, Pinterest, Flipboard bieten mir einen echten Gegenwert, ich nutze sie z. B. zur Verbreitung meiner Blog-Beiträge. Und sogar die beiden Facebook-Ableger Instagram und WhatsApp machen mir entweder Spaß oder sind nützlich, also geht deren Nutzung für mich subjektiv in Ordnung.

Solche Abwägungen sollte jeder für sich vornehmen, um sich dann bewusst entscheiden zu können, bei welchen „kostenlosen“ Services das Ergebnis aus der eigenen, subjektiven Sicht ausgeglichen ist.

 

Nutzen gegen Bezahlung — eine klare Sache.

 

business handshake

Evernote, Spotify, Dropbox, iTunes Match, iCloud Drive und  andere zeigen, wie es auch anders geht. Diese Dienste und Apps bieten konkrete Leistungen und einen relativ hohen Nutzwert — und alle lassen sich ihre Leistung gegen Geld vergüten. Manche, wie Evernote, bieten sogar eine (gar nicht so schwache) Basis-Version kostenlos an und überzeugen dann durch Leistung und echten Mehrwert, ggf. auf einen kostenpflichtigen Plan hochzustufen. Diese Lösung finde ich am sympathischsten, weil fair, ehrlich und klar.

WhatsApp nimmt übrigens ab dem zweiten Nutzungsjahr Geld für seine Dienste. Wenn das dazu führt, dass WhatsApp mich dauerhaft nicht mit Werbung belästigt (sagen sie selbst) und meine Daten in Ruhe lässt (daran habe ich Zweifel), würde ich den Schritt begrüßen (und fände das auch für andere soziale Dienste einen überlegenswerten Weg).

 

Wer mir echten Nutzen bietet, den bezahle ich gerne dafür.

 

Ich benutze Apps, wenn ich sie interessant, produktiv, spaßig oder nützlich finde. Und wenn ich dabei eine Wahl habe, dann möchte ich weder nervtötende Werbung, noch möchte ich die kommerzielle Verwertung meiner persönlichen Daten durch Dritte zulassen, jedenfalls so lange ich selbst daran nicht angemessen beteiligt werde (*).

Geld für Leistungen zu verlangen halte ich nicht für etwas Ehrenrühriges. Ich kann nicht von Luft leben, du kannst das auch nicht, und App-Entwickler ebenfalls nicht. Wir alle müssen unser Leben von irgend einem Einkommen bestreiten. Dann lieber klare Kante: Leistung gegen Bezahlung. Wenn mir eine App einen Nutzen bietet, bezahle ich gerne. Wenn die App nicht nützlich ist, brauche ich sie nicht. Basta. Dazwischen sehe ich keinen Grund für Grauzonen.

Deshalb liebe ich es, für Apps und Dienste zu bezahlen!

Bezahlt Stempel

Und vergessen wir dabei nicht: Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle sprechen wir über den Gegenwert eines Espresso oder Cappuccino …

 

Wie seht ihr das?

 

Teil ihr diese Ansicht? Oder seht ihr das völlig anders? … Ich freue mich auf eure Meinungen und Begründungen, unten in den Kommentaren. 🙂

 

(*) Eine schöne Vorstellung wäre, wenn man dann zumindest auch einen kleinen finanziellen Anteil an der Verwertung seiner eigenen Daten erhielte. Ein schöner Traum. Ich denke nicht, dass wir das erleben werden.

 

[UPDATE Mai 2015] Jürgen Kroder hat bei BasicThinking vor ein paar Tagen ebenfalls einen lesenswerten Artikel zum gleichen Thema geschrieben: klick.

 

Einige Links zum Thema:

 

 

 


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